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Bei meinem Mann wurde im Juli 1998 Krebs diagnostiziert mit Metastasen im Gehirn und nur 8 Monate später erlag er seiner Krankheit. Dazwischen lag für uns eine schreckliche Zeit und ein wenig habe ich versucht, dieses in meinem Buch aufzuarbeiten.

Nachdem mein Mann verstorben war, fiel ich natürlich in ein riesiges Loch. Es tat sich mir der Boden unter den Füßen auf und ich kam ganz schön kräftig ins trudeln und fiel und fiel. Ich kam mir vor, wie ein Vogel der aus dem Nest gefallen war.

In dem ersten Jahr konnte ich noch keinen klaren Gedanken fassen und ich kam mir vor, als wenn ich zweigeteilt war. Irgendwann habe ich dann angefangen mir alles von der Seele zu schreiben, völlig wahllos denn es war ja auch nur für mich bestimmt. Sehr viel später kam dann die Idee auf, doch ein Buch zu schreiben was ich dann auch tat (obwohl es von vielen belächelt wurde)

Das Ergebnis sehen Sie hier:


ISBN - Nr.:  3-8311-4727-2

Libri-Nr.: 7028296

Herstellung:  Books on Demand GmbH, Norderstedt

Preis:  €  9,90


Zu dem Inhalt zitiere ich die Rückseite meines Buches:

Eine bewegende Schilderung ihres langen und schweren Wegs aus tiefer Trauer legt Angelika Bauer mit diesem Buch vor. In einfachen, aber eindringlichen Worten erzählt die Autorin, wie am Ende ihres erfüllten Arbeitslebens, als sie sich zusammen mit ihrem geliebten Mann auf die Pensionierung freut, das Schicksal zuschlägt: Ihr Mann erkrankt schwer und stirbt innerhalb von acht Monaten.

Eindringlich, offen und mit großer Ehrlichkeit schildert Angelika Bauer, wie Sie in tiefe Trauer fällt, aber auch in ihrer Not, während ihre eigene Gesundheit zunehmend schlechter wird, den Mut nicht verliert und schließlich doch noch ins Leben zurückfindet.

Dieses Buch soll Menschen ein wenig Trost spenden, die einen geliebten Lebenspartner verloren haben und in Trauer gefangen sind. Es soll dazu ermuntern, auf Menschen zuzugehen und wieder mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen.

Soweit die Rückseite des Buches.



Hier habe ich jetzt für Sie eine Leseprobe aus Kapitel 3 –

Die ersten fünf Monate 

Sicherlich trug meine Verfassung einiges dazu bei.

Der Bestatter hatte dann noch ein paar »aufmunternde« Worte parat: Ich solle nicht 
zu viel trauern, das Leben gehe weiter, und ich solle wieder am Leben teilnehmen,
auf die Menschen zugehen, denn an meine Tür werde keiner klopfen.
Ich wollte schreien – »Worüber sprechen wir hier eigentlich? Seit gestern, noch nicht
einmal 24 Stunden, ist mein Mann tot und ich soll auf die Menschen zu gehen. Ich,
die doch noch gar nicht wusste, was mit mir passieren würde. Woher sollte ich
wissen, wann der Schmerz erträglicher, das Weinen weniger werden würde? Jetzt
hatte ich diesen übergroßen Schmerz, trotz Beruhigungsspritzen. Ich konnte manchmal noch nicht einmal eine einzige Silbe hervorbringen, und dann sollte ich
schon an die Zukunft denken? Nein, ich wollte überhaupt nicht denken. Es war schon schlimm genug, dass ich mich um solche Dinge wie die Beerdigung kümmern musste.
Wie sollte ich das bloß alles überstehen?
Während die beiden so in Erinnerungen schwelgten, schweiften meine Gedanken wieder zu den letzten gemeinsamen Tagen mit meinem Mann. Etwa vier Tage vor
seinem Tod musste ich in seiner Hörweite mit seinem Schulfreund, dem Bestatter,
telefonieren und ihn fragen, ob mit seiner Beerdigung alles klar gehe. Hauptsächlich
wollte mein Mann wissen, ob sein Freund auch die Beerdigung durchführen würde.
Mit diesem Telefonat hatte mein Mann mir nur hilfreich zur Seite stehen wollen, wie
in unserem ganzen gemeinsamen Leben und mich überströmte wieder eine Welle der Liebe zu meinem Mann.
Während ich also dasaß und dem mehr als oberflächlichen Geplänkel mit halbem Ohr
zuhörte, an die letzten Tage und die Ohnmächtigkeit vor dieser Krankheit dachte, kamen mir erneut die Tränen. Da brach der Bestatter das Gespräch wieder auf das Thema, wegen dessen wir eigentlich da waren.
Und schon wieder wurde eine Entscheidung von mir verlangt, und ich konnte meinen Mann nicht mehr fragen.
Mein Mann und ich hatten vor sehr langer Zeit schon des Öfteren über unsere Beerdigung gesprochen. Immer wenn wir auf dem Friedhof waren und das Grab seines Vaters besuchten, sahen wir Gräber, die ungepflegt da lagen. Für uns wollten wir das nicht. Wir hatten keine Kinder, die sich hätte um das Grab kümmern können, und jemanden anderen wollten wir diese Pflicht auch nicht zumuten. Daher hatten wir beschlossen, uns anonym beerdigen zu lassen, und uns auch schon einen Platz dafür ausgewählt. Nun saß ich aber vor dem Bestatter und musste hören, das der Platz. den wir uns ausgesucht hatten, belegt sei. Er konnte mir zwar einen anderen Platz anbieten, aber es war eben nicht der, den ich mit meinem Mann ausgesucht hatte.
Dann machte der Bestatter den Vorschlag, eine halbanonyme  Beerdigung vorzunehmen: ein Rasengrab für zwei Urnen am Rand des von uns ausgesuchten Feldes. Aber es bestehe doch auch die Möglichkeit, bei der Schwiegermutter mit auf
das Grab zu kommen, fuhr er fort. Dort sei für acht Urnen Platz. Dagegen wandte meine Schwägerin ein, sie könne das nicht entscheiden. Sie müsse ihre Schwester
fragen und wer würde denn das Grab pflegen, wenn sie nicht mehr da wären.
Mir wurde das alles zu viel, und ich beschloss, das Zweier-Grab am Rande des
Platzes zu nehmen. So kam es, dass ich hier einen Kompromiss schließen musste.

Im Nachhinein war ich auch sehr froh darüber, denn dadurch hatte ich einen Ort zum
Trauern. Sehr viel später, es mochten wohl Monate vergangen sein, meinte meine
Schwägerin einmal, hätten wir gewusst wie du das Grab pflegst, hätte mein Bruder
auch bei meiner Mutter mit auf dessen Grab gekonnt.

In der ersten Woche nach dem Tod meines Mannes hatte ich noch sehr viel zu erledigen, da wurden die Hilfsmittel wie Rollstuhl, Toilettenwagen und nicht zu
vergessen das Krankenbett wieder abgeholt. Danach sah mein Schlafzimmer wie ein
Schlachtfeld aus: ein halbes Ehebett, eine Matratze auf dem Balkon, meine Matratze
durchgetreten, so dass die Sprungfedern teilweise gebrochen waren. So war das Schlafen im Bett nicht mehr möglich. Ich hätte zwar die Matratze meines Mannes
nehmen können, aber das mochte ich nicht. Jeder Gedanke an meinen Mann tat weh,
und ich weinte ja ohnehin schon den ganzen Tag – manchmal so von Weinkrämpfen
geschüttelt, dass ich kaum atmen konnte.

Ich wusste nicht, ob das schon die »Trauer« war oder einfach nur der erste Schmerz
oder auch ein Zusammenbruch. Schließlich war die lange Pflegezeit auch sehr Kräfte
zehrend gewesen. Wer konnte mir darauf eine Antwort geben? Da fiel mir dann unser
Neurologe ein, ein sehr sympathischer, feinfühliger und ruhiger Mann, bei dem mein
Mann einmal für eine Spezialuntersuchung gewesen war und ich dann noch zweimal
wegen Medikamente. Er hatte mir gesagt, ich solle mich von meinem Mann   verabschieden, denn durch die Krankheit würde er ein anderer Mensch sein – nicht mehr mein Mann. Zu diesem Zeitpunkt lebte mein Mann ja noch und über den Verlauf der Krankheit wusste ich ja nicht besonders viel. Mit den schlimmen Anfällen, denen ich anfangs so hilflos gegenüber stand, konnte ich im Laufe der Monate etwas besser umgehen. Zwar ging es meinem Mann nach jedem dieser Anfälle ein wenig schlechter. Aber das bezog sich auf seine Beweglichkeit, keineswegs auf seinen Geisteszustand. Und nun sollte es nicht mehr mein Mann sein, nach dreißigjähriger Ehe?

Ich saß auf meiner Couch – und auch das beobachtete ich nun schon seit ein paar Tagen: nicht mehr so wie früher, sondern wie ein fremder Besucher nur vorne auf der Kante – und überlegte, was als Nächstes zu tun wäre. Schwarze Kleidung musste ja nun sein, aber ich mochte eigentlich nicht in ein Geschäft gehen, denn Aussuchen und Einkaufen von Kleidung war für mich eigentlich eine schöne Erfahrung, die mir gut tat. Das können mir sicher viele nachfühlen, wie entspannend ein Einkaufsbummel sein kann. Aber es half alles nichts, ich musste mich aufraffen und ging in unserem Ort in ein Bekleidungsgeschäft. Mir fiel eine weitere Besonderheit auf, aber nicht sehr nachdrücklich, sondern eher wie ein ganz flüchtiger Gedanke, erst beim Niederschreiben ist es mir so richtig deutlich geworden: Wenn ich früher, also längere Zeit vor dem Tod meines Mannes, einen Einkaufsbummel machte, fand ich nie das, was ich suchte, entweder war es nicht in meiner Größe, oder die Farbe gefiel mir nicht und vieles mehr. Auch das kann man wohl gut nachfühlen. Dieses Mal war alles jedoch anders: Ich ging in das Geschäft, und was mir gefiel, passte auch gleich,  und ich bekam innerhalb von ein paar Minuten alles, was ich brauchte. Ich habe mir sogar extra zur Beerdigung einen Hut gekauft, weil mein Mann es gern gesehen hatte, wenn ich einen trug. Ob er mir stand oder nicht, interessierte mich überhaupt nicht. In den folgenden Monaten habe ich immer öfter bei mir beobachtet, dass ich meistens etwas anzog, von dem ich wusste, dass mein Mann es besonders gemochte hätte. Von dieser Zeit an trug ich nur noch Schwarz, für mich hatte diese Farbe jetzt etwas einhüllendes, ich fühlte mich nicht mehr ganz so schutzlos und hatte das Gefühl mich
hinter dieser Farbe zu verstecken.

Regelmäßig ging ich schon gleich nach dem Frühstück aus dem Haus. Ich habe ziellos alle Orte aufgesucht, wo mein Mann und ich uns gern aufgehalten hatten. So fuhr ich etwa an die Elbe, nach Wedel. Doch kaum angekommen, wollte ich sofort wieder weg von diesem Ort.

In den ersten Tagen hatte ich auch noch einige Dinge zu erledigen, die ich wegen der Krankheit meines Mannes aufgeschoben hatte. So unter anderem auch die Verlängerung unserer Ausweise – bis heute spreche ich unwillkürlich noch von »uns« und »unseren«. Während der letzten beiden Wochen, in denen mein Mann im  Krankenbett lag, wollte er noch seine Papiere ordnen. Eigentlich waren sie ja in Ordnung, aber ich denke, er wollte mir auf seinem Totenbett noch helfen und so viel wie möglich abnehmen. Jedenfalls fragte er nach den Ausweisen, und sie waren schon im Januar abgelaufen. Mein Mann meinte dann nur ganz trocken, ohne jede Emotion:
»Meinen brauchst du nicht mehr zu verlängern. Ich brauche ihn nicht mehr.« Alleine diese Gedanken trieben mir schon wieder die Tränen in die Augen. Jetzt musste ich meinen Ausweis also verlängern lassen, doch das kam mir wie ein unüberwindbares Hindernis vor. Aus mir unerklärlichen Gründen scheute ich mich, Dinge wie gewohnt zu erledigen. Früher hatte ich mir wichtige oder eilige Sachen immer sofort und zuerst vorgenommen. Jetzt, schon in den ersten Tagen nach dem Tod meines Mannes, stapelte sich Unerledigtes auf dem Tisch. Selbst unsere Tageszeitung holte ich doch tatsächlich jeden Morgen, als wenn mein Mann noch lebte. Früher hatte mein Mann Brötchen und die Zeitung geholt und ich hatte inzwischen den Frühstückstisch gedeckt. Nun holte ich also die Zeitung. Aber ich frühstückte nicht, denn schon der Gedanke ans Essen schnürte mir den Hals zu und vor lauter Tränen konnte ich noch nicht einmal mehr schlucken. Die Zeitung las ich ohnehin nicht und wenn dann nur die Todesanzeigen.

Als ich an einem solchen Tag nicht mehr ein und aus wusste, fuhr ich zu dem Neurologen. Ich brauchte auch gar nicht lange zu warten. Seine Mitarbeiterin sah mich in meiner schwarzen Kleidung, und der Arzt nahm sich sofort Zeit für mich. Wir hatten uns ja schon bei unserem letzten Gespräch über die folgende Trauerzeit unterhalten und er hatte gemeint, die Trauer habe eigentlich nicht den gestorbenen Menschen zum Thema, sondern eher den Hinterbliebenen selbst, da er jetzt allein sei. Nun war das erwartete traurige Ereignis eingetreten und er sprach sehr einfühlsam mit mir. Aber er sagte auch, die Zeit bis zur Beerdigung sei mit vielen Laufereien verbunden, und danach solle ich nur noch nach vorne schauen und mich auch nach einem neuen Partner umsehen. Diesen Rat konnte ich überhaupt nicht verstehen. Ein neuer Partner für mich, die ich doch um meinen Mann weinte und seine schreckliche Krankheit nicht verarbeiten konnte?  Eigentlich machte ich mir sogar Vorwürfe, weil ich meinem Mann nicht hatte helfen können. Wie konnte ich da an einen neuen Partner denken?

Als ich vom Neurologen nach Hause gefahren war, rief ich meine Mutter an, um ihr von dem Gespräch zu berichten. Sie sagte mir dann fast dasselbe. Nun begriff ich überhaupt nichts mehr. »Was sind das für Menschen, die auf den Tod eines anderen so gleichmütig reagieren, als habe er nie existiert?«, fragte ich mich. War unsere Gesellschaft so verroht oder ich zu empfindlich? In mir erwachte der Trotz: Welche Menschen hatten denn von einem neuen Partner gesprochen? Eines war ihnen allen gemeinsam, sie hatten ihren Lebenspartner noch. Der Neurologe arbeitete sogar mit seiner Frau in einer Praxis, meine Eltern waren seit 56 Jahren auch noch zusammen, eine Verwandte lebte in meiner norddeutschen Geburtsstadt mit ihrem Partner – im Grunde alle, mit denen ich zu tun hatte. Die einzige Ausnahme war die Freundin meiner Mutter, die mich schon als Baby kannte. Ich beschloss für mich, nicht mehr auf diese Menschen zu hören. Sie konnten ja nicht mitreden, sie hatten ihre Partner alle noch. Wie Recht ich hatte, zeigte sich bei einem späteren Besuch bei meinen Eltern in Nordrhein-Westfalen. Während mein Vater die Zeitung holte, erzählte mir meine Mutter, immer wenn mein Vater einmal die Wohnung verlasse, setze sie sich in einen Sessel, schließe die Augen und stellte sich vor: »So muss sich meine Tochter fühlen, die jetzt allein ist.« Doch so können nur Nichtbetroffene reagieren. Meine Mutter hat ja die Gewissheit, dass ihr Mann nach dem Einkauf wiederkommt, der Tod aber ist endgültig – niemand kommt zurück.

Ohne darüber nachzudenken, ging ich nun schon fast täglich auf den Friedhof, obwohl mein Mann noch nicht beerdigt war. Aber auch dort fand ich nicht die Ruhe, nach der ich suchte. Inzwischen war der Stein ausgesucht, das Hotelzimmer für meine Eltern bestellt und der Tag der Beerdigung stand auch fest. 





Eine Rezension des Buches können Sie auch lesen auf den Seiten:

http://www.all-around-new-books.de/galerie/belletr/biografie.shtml

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